Mit Dorflehrer Schumann auf Zeitreise
200 Besucher sehen Gefechtsdarstellung zum 194. Jahrestag der Völkerschlacht
Im Biwak herrscht reges Treiben. Etwa 700 Schlachtteilnehmer campieren seit Freitag am Torhaus Dölitz. Rechts die Preußen, links die Franzosen und dazwischen die Österreicher. „Zieht die Uniformen an. Es geht los.“, ruft ein Preuße zu den Franzosen herüber. Verbündete oder Gegner – 194 Jahre nach der Völkerschlacht verbindet alle ein gemeinsames Hobby. Marketenderinnen verkaufen Proviant, Pferde werden getränkt. Zwischendrin spazieren Neugierige. „Bei der Kälte möchte ich nicht hier draußen sein.“ Sagt Inge Fuchs. Die Connewitzerin bewundert die Vereine. „Ich finde es gut, dass die Leute die Geschichte lebendig erhalten. Die Völkerschlacht ist doch Teil unserer Geschichte.“ Langsam kommt Bewegung ins Biwak. Befehle in französischer Sprache. „Attencion!“ Thomas Bielig führt seine Französische Marinegarde nach vorn. Im Schlepptau rattern Kanonenwagen. „Meine Freunde, eine schwere Aufgabe steht uns bevor.“ Fürst Poniatowsky schwört seine Franzosen, Rheinbündler und Sachsen auf das nächste Gefecht ein. „Vive la France.“ und „Es lebe der König.“ Dann geht es los. Die Truppen ziehen durch das Agra-Gelände. Trommelwirbel hallt zum Schlachtfeld, das diesmal fast in Markkleeberg-Ost liegt. Dort warten gegen 13.00 Uhr schon mehr als 1000 Besucher. Der Regensburger Günter Köhn ist mit einem Traditionsverein extra zu den Gedenkveranstaltungen nach Leipzig gereist. „Wir waren schon an den meisten Schlachtorten der napoleonischen Kriege. Hier fühle ich mich wie im Museum.“ Lächelt der Mittsechziger. Michél Kothe, Vorsitzender des Verbandes Jahrfeier Völkerschlacht hat viel zu tun. In der Uniform eines Preußischen Leutnants dirigiert er mehr als 800 Darsteller auf dem Feld. „Hoffentlich klappt alles.“ Bangt Kothe. Schließlich läuft 2007 einiges anders. „Wir stellen erstmals eine Zivilszene nach, zeigen das bäuerliche Leben im Dorf Markkleeberg und haben dafür Kulissen aufgestellt.“ Erläutert er. Vor der Dorfschule läutet Lehrer David Schumann alias Stefan Haffner die Glocke. Haffner ist Geschichtslehrer am Evangelischen Schulzentrum. Mit der Klasse 7b spielt er das aus Tagebuchaufzeichnungen bekannte Schicksal des Dorflehrers nach. „Die Zeitreise ist besser als jede Theorie, die ich im Unterricht vermitteln kann.“, sagt Haffner. Als der Dorflehrer samt Klasse flieht, fällt kein Schuss, „Topp, das ist glatt gelaufen.“ Atmet Kothe auf. Geprobt wurde nur einmal und das ohne Soldaten. „Die Offiziere der einzelnen Vereine waren am Freitagabend bei der Besprechung. Da wurde die Regieanweisung durch unseren Militärhistoriker ausgegeben.“, erzählt Kothe. Inzwischen donnern die Kanonen. Nimmt der Pulverdampf den Zuschauern fast den Atem. Rauhaardackel Jaro bleibt vorerst gelassen. „Jaro kennt den Krach von der Jagd.“, sagt Frauchen Claudia Wünsche. Zehn Minuten später such das Fellknäuel Schutz unter der Jacke. Die 13-jährige Friderike Bunse, die eben noch mit Lehrer Haffner über das Feld rannte, hält sich die Ohren zu. „Ich finde es aufregend, aber ein bisschen laut.“, schreit sie und zeigt auf ihre bunten Ohrstöpsel. Ruth Berner ist nur ihrem Mann zu liebe da. „Jedes Jahr dieselbe Schießerei. Aber erstaunlich wie viele das sehen und hören möchten.“ Ungefähr 2000 Schaulustige verfolgen die Gefechtsdarstellung. Nach knapp zwei Stunden und erbitterten Gefechten ziehen sich die Franzosen zurück. Zeit für Manöverkritik: keine Verluste zu beklagen, aber die nächste Schlacht muss kürzer werden.
Autorin: Ulrike Witt

