Reenactment


Was ist eigentlich Re-enactment?

Das Wissen um Geschichte ist seit langer Zeit eine Leidenschaft vieler Menschen. Seit Jahrhunderten werden Artefakte verschiedenster Kulturen hinter den Glasscheiben der Museumsvitrinen aufgebaut, mit allerlei Daten und Kommentaren versehen und vor den staunenden Augen der Besucher ausgestellt.
Eine modernere Art Geschichte zu vermitteln ist die Darstellung in Form „Lebendiger Museen“  oder des „Re-enactments“, der so genannten „Living-History“.
Dabei werden an möglichst authentischen Schauplätzen bedeutende Ereignisse der Geschichte oder auch bloße Lebensweisen einer bestimmten Zeit „nachgespielt“.
Wir alle haben schon von Ritter- und Wikingerfesten, Mittelaltermärkten oder den Schlachtennachstellungen des amerikanischen Bürgerkrieges gehört. Und sollten wir bei einem dieser Re-enactment Veranstaltungen dabei gewesen sein, konnten wir mit allen Sinnen aufnehmen, was die Menschen der dargestellten Zeit erlebten. Historiker und andere Wissenschaftler verstehen das Re-enactment als archäologisches Experiment (die sog. „Experimentelle Archäologie“), das tiefere Einsichten in die Welt vergangener Kulturen erlaubt.
Die meisten Re-enactors legen großen Wert auf eine originalgetreue Ausstattung und Darstellung der Ereignisse. Vom Uniformknopf, dem Schlafen auf Stroh und Kochen am Feuer bis über die möglichst korrekte historische Darstellung eines Schlachtgeschehens, sollte alles genau den Gegebenheiten der Zeit entsprechen, die dargestellt werden soll. Dabei entwickeln sich viele Re-enactors im Laufe ihres Hobbies zu wahren Experten, nicht nur was ihr historisches Wissen anbelangt, sondern auch bei der Beschaffung und Nachbildung originalgetreuer Ausrüstungsgegenstände.  Als Quellen und Vorbilder hierfür dienen vornehmlich Grabungsfunde sowie zeitgenössische Abbildungen und Beschreibungen in historischen Texten. So werden die Re-enactment Veranstaltungen, wie der alljährlich im Oktober in Leipzig stattfindende Jahrestag der Völkerschlacht, zu wahren „Expertenforen“ in denen das Neueste über archäologische Funde, bisher weitgehend unbekannte Berichte von Zeitzeugen oder auch Bezugsquellen für authentische Kleidungsstoffe und sonstige Ausrüstungsgegenstände ausgetauscht werden.

Re-enactment
Der Begriff re-enactment wurde zum ersten Mal von dem englischen Philosophen und Historiker Robin George Collingwood (1889 – 1943) geprägt. Collingwoods Theorie vom re-enactment ging davon aus, dass der Historiker nur dadurch Kenntnis über die Vergangenheit erlangen kann, indem er die Gedanken nachvollzieht, die sich in den überlieferten Quellen ausdrücken.
Seit den sechziger Jahren benutzt man den Begriff für den Vorgang, ein historisches Ereignis möglichst realistisch nachzustellen. Ausgehend von den USA und England ist re-enactment zu einer Freizeitbeschäftigung sowohl für Historiker als auch Laien geworden. Man nennt diese Männer und Frauen re-enactors.
(Quelle: Historische Interpretationen Sybille A. Beyer & Andreas Sturm GbR, 2004)

Text: Katja Nitzsche
mehr auch unter http://www.preussen1813.de/reenactment.html oder www.preussen-moeckern1813.de

weitere Links:
Deutschand
www.h-m-v.com (Historische Militärvereinigung 1813 e.V.)
www.napoleonische-gesellschaft.de (Napoleonische Gesellschaft e.V.)
www.f-l-g.org (Freundeskreis Lebendige Geschichte e.V.)
www.leipzig1813.eu (Verband Jahrfeier Völkerschlacht b. Leipzig 1813 e.V.)
Europa
www.nanweb.org
www.napoleonicassociation.org
www.a-n-s.at
www.assonapoleonica.it
wissenschaftliche Beschäftigung
www.deutsche-heereskunde.de

Presse:
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.11.2009 S. 1 & 9: "Fortsetzung der Realität mit anderen Mitteln/Unsterbliche Helden"