Alter Johannisfriedhof & Johanniskirche am Johannisplatz

Lazarett & Schauplatz der Erstürmung des äußeren Grimmaischen Tores am 19. Oktober 1813 durch die Verbündeten

Johannisplatz, 04103 Leipzig
Öffnungszeiten des Alten Johannisfriedhofs:
März bis Oktober täglich 10 - 18 Uhr
November bis Februar täglich 10 - 16 Uhr

Diese Orte sind auf das Engste mit den Ereignissen des Jahres 1813 verbunden. Als Lazarettstelle erlebte das Gebiet menschliches Leid ungeheuren Ausmaßes.
Die Johanniskirche fungierte im Jahre 1813 als Getreidemagazin der Franzosen, ab Mai als Lazarett. Bei den Kämpfen um die Erstürmung Leipzigs am 19. Oktober wurde sie zwar nur leicht beschädigt. Doch die Inbeschlagnahme der Kirche als Lazarett hatte eine Nutzung als Gotteshaus für lange Zeit unmöglich gemacht. Der erste Gottesdienst konnte erst wieder am 1. Januar 1815 durchgeführt werden. Die Kirche wurde im 2. Weltkrieg zerstört und ihre Reste nach Kriegsende abgerissen. Der Johanniskirchturm blieb zunächst stehen, wurde jedoch trotz Bausicherung und Grundsanierung (1956) im Jahre 1963 gesprengt.

Denkmale am Johannisplatz bzw. auf dem Alten Johannisfriedhof:

- Friccius-Denkmal (Täubchenweg)
Das 1863 erichtete Denkmal erinnert an den Rechtsgelehrten und Major der Landwehr Carl Friccius. Er drang als einer der ersten durch das damals an dieser Stelle befindliche äußere Grimmaische Tor in die Stadt Leipzig ein. Zugleich ist das Denkmal auch ein Erinnerungszeichen für die Leistungen der Landwehr im Herbstfeldzug 1813.   

Aus seinem Erlebnisbericht:
"... Als unsere Kolonne sich dem Tor nahte, fand sie vorn an der Kirchhofmauer die Tirailleure des ersten Bataillons des Kolbergschen Regiments, verstärkt durch die dritte Kompanie desselben Regiments, in einer ungeordneten Stellung, Gewehr bei Fuß, ohne dass sie gegen den Feind irgend etwas unternahmen, vor. ... Das Wach- und Zollhaus, nahe am Eingange des Tors rechts, war verlassen, aber die Häuser, welche zum Teil die Vorstadtmauer nach dem Hintertore zu bilden, besonders aber das Gebäude, welches auf dem Kirchhofe steht, eine Fortsetzung der Kirchhofmauer ist und im spitzen Winkel mit dem Tore bildete, war stark vom Feind besetzt. ... Immer stärker wurde aus der Stadt, aus allen Fenstern, von allen Dächern, selbst vom Johanniskirchturme herab, welcher zur Warte zu dienen schien, auf uns geschossen. ... Die Flüchtlinge (Anm. Angehörige derArmee Napoleons) liefen geradeaus, der Kirche vorbei, nach der Allee, vor dem innern Grimmaer Tore, und der Grimmaer Steinweg (so heißt die Straße von dem äußern nach dem innern Tore) war weit über den Platz am Eingange vor dem Johanniskirchhofe vom Feind gereinigt. ...Als wir wiederum den Platz vor dem Johannistore erreicht hatten, wo uns die Einwohner Leipzigs vor wenigen Minuten so herzlich begrüßten, vereinigten sich mit uns die Landwehrmänner unseres Bataillons, welche seitdem durch die Öffnung am Tore nach und nach durchgedrungen waren und sich dort gesammelt hatten. Gleichzeitig aber drang der Feind von der Esplanade mit großer Übermacht gegen uns vor ... Es entstand nun hier ein entsetzliches Gemetzel, ..."     

- Grabdenkmal (Grabkreuz) für John Motherby auf dem Alten Johannisfriedhof
Dieses Grabkreuz kennzeichnete die Grabstätte des Hauptmanns auf dem Alten Johannisfriedhof. Mit dem Bau des Grassi-Museums verschwanden jedoch Teile des alten Friedhofs. Das Kreuz wurde vor Baubeginn an seinen jetzigen Standort versetzt. 

- Kopie der Gedenktafel für Fürst Poniatowski an der Mauer der IV. Abteilung des Alten Johannisfriedhofs
Fürst Poniatowski, Marschall von Frankreich, kam als Befehlshaber der Nachhut der Armee Napoleons am 19. Oktober in den Fluten der Elster ums Leben. Sein Leiche wurde gefunden und zur Johanniskirche gebracht, einbalsamiert, aufgebahrt und in der Ratsgruft des Alten Johannisfriedhofs beigesetzt. Doch bereits 1814 erfolgte die Überführung seines Leichnams nach Polen. 

wichtige Persönlichkeit:

In diesem Zusammenhang sei auch auf den Totengräber des Alten Johannisfriedhofs – Johann Daniel Ahlemann (1765-1832) – verwiesen. Seine Aufzeichnungen beschreiben die Ereignisse des Jahres 1813 rund um den Alten Johannisfriedhof eindrucksvoll. 


Seit 2003 engagiert sich der Johanniskirchturm e.V. um den Wiederaufbau des Johanniskirchturms und die Erforschung der Geschichte des Areals des heutigen Johannisplatzes und der inneren Ostvorstadt. Der Verein hat das Ziel, bis zum Jahr 2013 - dem 50. Jahrestag der Sprengung des Turms - den Johannisplatz als Tor zur Ostvorstadt mit einem neu erstrahlenden Johanniskirchturm würdevoll zu präsentieren.
Johanniskirchturm e.V.
Roßplatz 12, 04103 Leipzig
Internet: www.johanniskirchturm.de

 

 

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